08. Dezember 2007 Solothurner Zeitung

Da halten Kinder gern die Klappe

Die sechste Klasse im Mühlemattschulhaus in Biberist unter Hochspannung: Unterstützt von einem Profi-Team wurde ein Kurzfilm gedreht. Drehbuch, Kameraführung, Ton und Schauspiel waren alles Aufgaben der Schüler.

Vom Altersheim her kommt ein betagtes Ehepaar den Weg entlang. Er an der Krücke, sie einen Rollator vor sich herschiebend. Plötzlich tauchen drei Typen mit Sporttaschen auf. Sie rennen. Hinter ihnen ein Mann, der sie schreiend verfolgt. Im Nu wirds hektisch. Das Grosi schmeisst den Gangstern den Rollator vor die Beine und zieht zwei Pistolen. Der Opa setzt einen mit seiner Krücke ausser Gefecht. Hätten die Bösewichte gewusst, dass die zwei Alten pensionierte Polizeibeamte sind, hätten sie wohl einen anderen Fluchtweg gewählt. «Die Geschichte wurde von den Schülern selbst erarbeitet», erzählt Lehrerin Gabriela Fischer. Ein Brainstorming habe schnell die vier Stichworte «Skater, Gangster, Alkohol und Gewalt» ergeben.

Freiwillige Hausaufgaben
Vor rund zwei Monaten war es, als die Anfrage kam, ob die Klasse Zeit und Lust habe, beim zweiten Pilotprojekt «firstCut» – ein Medium macht Schule», lanciert vom «Atelier Maybaum» Burgdorf, mitzumachen. Klasse und Lehrerin waren begeistert. Von Anfang an war klar, dass viel selbst erarbeitet werden muss: Geschichte erfinden, Requisiten auftreiben, Story-Board – die gezeichnete Form der Szenen – erstellen, Drehbuch schreiben, Drehorte organisieren. Vor vier Wochen kam Sarah Itten vom Atelier Maybaum im Schulhaus vorbei, um alles zu besprechen. Darauf gings so richtig los. In freiwilliger Hausaufgabe tüftelten die Kinder eine Geschichte zu den Stichworten aus und stellten sie den andern vor. Die als Beste erkorene Geschichte gab das Grundfundament für die Handlung. «Das Spannendste an den Vorbereitungsarbeiten fand ich die Drehortorganisation», sagt die Lehrerin. Vier Schüler hätten ins Altersheim gehen müssen, um zu fragen, ob sie dort eine Szene drehen dürfen. Und da die Klasse sich einig war, dass richtige Polizisten die Verhaftung vornehmen sollten, seien sie sogar noch auf den Polizeiposten gegangen. «Ich war erstaunt, dass die Leute dort so spontan zusagten», meint Fischer strahlend. Am Nachmittag um zwei Uhr ist den 16 Kindern noch keine Müdigkeit anzumerken, dabei sind sie seit acht Uhr in der Früh im Einsatz. Nun stehen sie hinter der Kamera, halten das Richtmikrophon, tragen Kopfhörer oder stehen mit der Klappe bereit. Das Schminkteam rennt umher, müssen doch den zwei laut Drehbuch leicht alkoholisierten Skatern nach der Schlägerei mit den Gangstern Platzwunden aufgemalt werden. Das Schauspielteam lässt sich nochmals zeigen, wie die Prügelei möglichst wirkungsvoll gespielt werden kann.

Eine coole Sache
«Neunte Szene, dritter Dreh», sagt Lea laut und schlägt die Klappe. Ein scharfer Pfiff des Regisseurs, und die Skater kommen um die Schulhausecke gebraust. «Das passiert einem nicht jeden Tag, bei einem so coolen Film mitmachen zu dürfen», sagt Lea begeistert. «Ich finde meine Aufgabe gut», meint Kameramann Simon. «Tontechniker» Nivaram interveniert, wenn jemand zu laut oder zu leise spricht. «Das Schwerste ist für mich, dass ich mich nicht zu stark auf die Kamera fixiere», sagt «Grosi» Jasmin. «Die Idee wäre, ähnliche Projekte für Abschlussklassen oder für Projektwochen zu etablieren», sagt Sarah Itten vom Filmteam. Grosser Höhepunkt des Projekts wird im Januar sein. Da wird der Film im Schulhaus vorgeführt, und alle Beteiligten dürfen als bleibende Erinnerung eine DVD mit nach Hause nehmen.

Susi Reinhart

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